Das 10. Ottakringer Vinyl & Music Festival 2026 im Rückblick

Es war ein Jubiläum der Extraklasse: Am 7. und 8. März 2026 verwandelte sich die Ottakringer Brauerei  zum zehnten Mal in ein Zentrum der Musikkultur. Unter dem Motto „Yes we sound“ feierte das Festival alles, was Musik haptisch, erlebbar und unvergesslich macht – von raren Pressungen bis hin zu handgefertigten Instrumenten und einem Live-Line-up, das keine Wünsche offen ließ.
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Die größte Plattenbörse im deutschsprachigen Raum

Unmittelbar nach dem Betreten der Brauerei wurde klar, warum das Festival diesen Ruf genießt: Das Herzstück bildete erneut die Plattenbörse, die sich mittlerweile als die größte ihrer Art im gesamten deutschsprachigen Raum etabliert hat. Internationale Händler und private Sammler verwandelten die Hallen in ein schier endloses Meer aus Kisten. Von staubigen Raritäten und lang gesuchten Erstpressungen bis hin zu den aktuellsten Releases – das haptische Erlebnis des „Diggens“ war in jeder Ecke greifbar. Es wurde gefeilscht, gefachsimpelt und Schätze gehoben, was eindrucksvoll unterstrich, dass Vinyl nicht nur ein Comeback feiert, sondern längst wieder die unangefochtene Goldwährung für Musikliebhaber ist.

Ein Kosmos jenseits der Rille

Dass es beim Vinyl & Music Festival um weit mehr als „nur“ Schallplatten geht, bewies das Rahmenprogramm eindrucksvoll. Während die Junge Fotografie in einer liebevollen Foto-Hommage, Black Gold Diggers,  Sammler ins Rampenlicht rückte, konnten Besucher beim Vinylograph ihr eigenes Unikat schneiden lassen. Kreativität war ohnehin das Schlagwort des Wochenendes: Ob beim Stöbern durch die Musikliteratur von Bücher am Spitz, dem Entdecken von Kult-Streetwear bei Blackrocx oder dem Bestaunen der minimalistischen Plattenständer von Oleh Zavadski – das Festival war ein Treffpunkt für Ästheten und Individualisten. Mutige ließen sich von einem der Karikaturisten oder sogar von einem Roboter, dem AI Sketcher, zeichnen oder verewigten ihre Musikliebe direkt unter der Haut bei den beiden Tattoo-Künstlern.

Handwerkskunst im Fokus: Der Wiener Instrumente Salon

Ein besonderes Highlight war erneut der Wiener Instrumente Salon (WIS) im Hefeboden. Unter dem Slogan „Custom Instruments. Made to be played.“ präsentierten Maker ihre handgefertigten Schätze.

Stephan EDGAR Kutscher nahm die Besucher mit auf seine faszinierenden Gitarren-Soundtrips, während Bernhard Schimpelsberger mit „new ideas never stop coming“ innovative Einblicke in den modernen Instrumentenbau gab. Ein klangliches Kuriosum bot die Electric Cobza, gespielt von George Guga und Emil Kindlein, die traditionelle Klänge in ein modernes Gewand hüllte.

Plattform für die Macher: Der Independent Labelmarkt

Ein wesentlicher Teil der DNA des Festivals ist die direkte Verbindung zwischen Künstlern, Labels und Fans. Der Indie Label Markt bot auch 2026 eine Bühne für die mutigen und kreativen Independent-Labels, die das Rückgrat der Musikszene bilden. Hier ging es nicht nur um den Verkauf, sondern um den echten Austausch: Fans konnten direkt mit den Machern hinter den Veröffentlichungen sprechen, in limitierte Editionen reinhören und die Geschichten hinter den Produktionen erfahren. Dieser Bereich unterstrich einmal mehr den Community-Gedanken des Festivals –  hin zu echter Wertschätzung für das (kuratierte) Werk und die Leidenschaft.

Das Live-Programm: Von Mexiko bis Ottakring

Die zwei Bühnen lieferten den Soundtrack zum Jubiläum. Am Samstag brachten die Navajos Blues Band (direkt aus Mexiko) und die Lokalmatadore The Makers den Vorplatz zum Kochen. Im Gerstenboden sorgte Tünde Jakab für Gänsehautmomente, gefolgt von der instrumentalen Western-Ästhetik der Morricones. Den fulminanten Abschluss am Samstag bildeten Die Buben im Pelz, die bewiesen, dass sie zeitlos und unverwechselbar sind.Der Sonntag startete soulig beim Frühschoppen mit Bad Ida, bevor Spinning Wheel feinste keltische Folk-Klänge über das Gelände schickten. Für experimentelle Tiefe sorgten Cellyfish und das Trio CADÛ, die das Publikum in psychedelische Klangwelten entführten. Auch abseits der Instrumente gab es viel zu hören: Julia Bassenger las aus ihrem Debüt-Roman, und das Team von POST feierte eine punkige Plattenpräsentation unter dem Titel „GO BOOMER GO!“.Mit einem erfolgreichen ROCK ANTENNE Österreich Musik-Quiz und überglücklichen Gewinnern ging ein Wochenende zu Ende, das gezeigt hat: Die Faszination für das Analoge und das Echte ist lebendiger denn je. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Mal, wenn es wieder heißt: Nadel aufsetzen und laut drehen.


“Yes we sound” – Looking back at the 10th Ottakringer Vinyl & Music Festival 2026

A decade of music, passion, and community: On March 7th and 8th, 2026, the Ottakringer Brewery once again became the epicenter of music culture. Under the motto „Yes we sound,“ the festival’s 10th anniversary celebrated everything that makes music tangible and unforgettable – from rare pressings to handcrafted instruments and a live line-up that left nothing to be desired.

The Pulsing Heart: The Largest Record Fair in the German-Speaking World

Immediately upon entering the brewery, it became clear why the festival enjoys its stellar reputation: the centerpiece was once again the massive Record Fair, which has established itself as the largest of its kind in the German-speaking world. International dealers and private collectors transformed the halls into a seemingly endless sea of crates. From dusty rarities and long-sought first pressings to the latest releases – the tactile experience of „digging“ was palpable in every corner. Enthusiasts bartered, talked shop, and unearthed treasures, impressively underlining that vinyl isn’t just making a comeback, but has long been the undisputed gold standard for music lovers.

Beyond the records, the festival offered a universe of creativity. Visitors could cut their own unique discs at the Vinylograph, explore music literature at Bücher am Spitz, or discover urban style at Blackrocx. A special highlight was the Black Gold Diggers exhibition, honoring the heart of the community: the collectors. Those looking for a lasting memory visited the Tintnfisch tattoo artists or had their portrait drawn by the AI Sketcher robot.

The Wiener Instrumente Salon (WIS) showcased the finest craftsmanship, featuring „Custom Instruments. Made to be played.“ Highlights included Stephan EDGAR Kutscher’s guitar sound trips and Bernhard Schimpelsberger’s insights into innovative instrument building.

A vital part of the festival’s DNA is the direct connection between artists, labels, and fans. In 2026, the Indie Label Market once again provided a stage for the bold and creative independent labels that form the backbone of the music scene. This wasn’t just about sales; it was about genuine exchange. Fans could talk directly to the people behind the releases, listen to limited editions, and learn the stories behind the productions. This area underscored the festival’s community spirit – moving away from anonymous streaming and toward true appreciation for curated work and the passion of boutique publishers.

On the stages, the energy was palpable: from the Navajos Blues Band’s Mexican blues to the timeless performance of Die Buben im Pelz. Sunday’s soulful morning with Bad Ida and the progressive sounds of CADÛ perfectly rounded off the weekend.

The 2026 festival was more than just an event; it was a family reunion for everyone who lives and breathes music. The resonance remains – see you next year!