Hide & Seek – wahrlich nicht verstecken …

… sondern vielmehr gesucht werden die vier Singles von Hide & Seek. Schön, dass Kokord jetzt eine Compilation  plus einem unveröffentlichten Track herausbringt. Noch schöner, dass die Präsentation am 10. Ottakringer Vinyl & Music Festival erfolgt! – Es kann kein Zufall sein, dass exakt 10 Jahre nach „Underground made in Styria“ wieder eine steirische C0mpilation bei Vinyl & Music präsentiert wird?

Die Story der steirischen Psychedelic-Rock Band Hide & Seek zählt zu den bemerkenswertesten Kapiteln der österreichischen Rockgeschichte. Im Jahr 1969 katapultierte sich die junge Grazer Combo in kürzester Zeit zu landesweitem Erfolg, inklusive dem beinah ersten Platz in der Ö3-Hitparade. Kurz darauf, an der Schwelle zum internationalen Durchbruch, wendet sich das Blatt und die Band löst sich nach einigen wenigen Veröffentlichungen wieder auf. Was dazwischen passiert ist großes Kino und vor allem ganz großartige Musik. Keine andere österreichische Rockband dieser Zeit traf den Ton des britischen Sounds zwischen Freakbeat, Psychedelia und frühem Hard Rock besser als diese bemerkenswerte Formation.

Die vier Singles, die Hide & Seek von 1969-1971 veröffentlicht haben, sind international gesuchte Sammlerstücke geworden, selten und teuer. KONKORD Records hat sie nun – gemeinsam mit einem bisher unbekannten Track – auf dem Album „I Can Fly – The Complete Recordings“ wieder veröffentlicht. Alle Titel wurden bestmöglich im Originalsound remastered, ein ausführliches Booklet mit zahlreichen Fotos ergänzt die Zusammenstellung.

Österreich in den späten 1960er-Jahren: ein popkulturelles Entwicklungsgebiet, geprägt von Schlagermusik, Blaskapellen und erzkonservativen Folkloregruppen. Selbst in der mondänen Hauptstadt Wien ist erstaunlich wenig los. Den aktuellen Beat- und Rockproduktionen hört man ihren internationalen Außenseiterstatus sehr oft an. Der Sound hinkt den weltweiten Entwicklungen um Jahre hinterher, ist öfter schaumgebremster Pop als wilder Rock’N’Roll und wird selbst in dieser zahmen Form vom gesellschaftlichen Establishment angefeindet. Nur eine kleine, wohlinformierte Avantgarde steht in ihren versteckten Probekellern bereits in den Startlöchern, um mit beispiellos entgrenztem Lärm den Weg für die ausufernden Eskapaden der 1970er-Jahre zu bereiten. The Slaves, Novaks Kapelle, The V-Rangers oder Charles Ryders Corporation heißen die Stars des Wiener Untergrund, deren Aufnahmen bis heute weltweite gesuchte Meisterwerke ihrer Zeit sind.

Zeitgleich entwickelt sich in der steirischen Provinzhauptstadt Graz, die neben Wien zum wichtigsten Schauplatz der österreichischen Popkultur werden soll, eine kleine, aber atemberaubend wilde regionale Rockszene. Bands mit so verheißungsvollen Namen wie Generation 2000, Music Machine, The Heart oder Magic 69 spielen Rockmusik von internationalem Format und begeistern sowohl das junge Beat-Publikum wie auch aufgeschlossene Medien. Eines der bemerkenswertesten Kapitel der österreichischen Rockgeschichte ist die Story der Grazer Psychedelic Rock-Band Hide & Seek. Ab 1969 katapultierte sich die junge Combo in kürzester Zeit zu landesweitem Erfolg und fast bis an die Spitze der Ö3-Hitparade. Kurz darauf, auf der Schwelle zum europaweiten Durchbruch, wendet sich das Blatt und die Band löst sich nach einigen wenigen Veröffentlichungen wieder auf. Was dazwischen passiert ist großes Kino und vor allem ganz großartige Musik.

Keine andere österreichische Rockband dieser Zeit traf den Ton des britischen Sounds zwischen Freakbeat, Psychedelia und frühem Hard Rock besser als diese bemerkenswerte Formation. Der ersten Single („The Beggar of St. Pair“ / „Riven Street“) merkt man an, dass die sechs jungen Musiker regelmäßige Reisen in die Popwelthauptstadt London unternommen haben. Dieser aufregende, psychedelisch angehauchte Beat könnte auch von den besten britischen, holländischen oder schwedischen Bands stammen – eine beeindruckende Leistungsschau einer unbekannten Gruppe aus einer österreichischen Kleinstadt! In weiterer Folge wird der Ton härter, der Sound von Bands wie Cream oder Spooky Tooth fließt ein, auch die amerikanischen Hardrock-Pioniere Mountain meint man herauszuhören. Stets spielen Hide & Seek packende Eigenkompositionen ein. Jede einzelne ihrer Nummern weiß zu überzeugen.

Die zweite 7“ („Crying Child“ / „I Can Fly”) markiert 1970 den Höhepunkt des Erfolgs dieser außergewöhnlichen Gruppe. In den österreichischen Charts muss sie sich nur den Superstars Simon & Garfunkel geschlagen geben. Im selben Jahr sorgt die Band auch mit Auftritten im Fernsehen und Erfolgen bei diversen großen Musikwettbewerben für Furore. In der Folge bietet der bekannte Produzent und Musikmanager Abi Ofarim an, Hide & Seek unter Vertrag zu nehmen. Doch nach einer wenig erfolgreichen dritten Single und kurz vor einer groß angelegten Deutschlandtournee löst sich die Stammbesetzung der Band auf. Der Leadgitarrist Toni Gruber führt den Namen Hide & Seek noch – gegen den Willen des Bandgründers Bernd Pacher – einige Zeit weiter und lässt mit neuer Besetzung eine finale Single produzieren. Mit einem letzten Auftritt im Jahre1973 endet die kurze und wechselhafte Karriere einer Gruppe, von der man sich einen weit umfangreicheren Nachlass gewünscht hätte.

Dennoch haben Hide & Seek ihre Spuren in der österreichischen Musikszene hinterlassen. Und zwei spätere Superstars der heimischen Rockmusik hervorgebracht. Bassist Alex Rehak feierte mit der Band Turning Point ab 1972 internationale Erfolge, wurde einer der produktivsten und erfolgreichsten Produzenten österreischer Popmusik und ist auch mit 75 Jahren noch außerordentlich aktiv. Der Sänger der letzten Inkarnation, Wilfried Scheutz, wurde einer der Begründer der österreichischen Dialektwelle und einer der ersten großen Stars einer originär alpenländischen Rockidentität. Vier weitere Mitglieder aus der Erfolgsphase der Band – Bernd Pacher, Heinrich Kusch, Manfred Kothgasser und Helfried Huber – haben sich aus der Musikszene zurückgezogen. Lediglich Toni Gruber veröffentlicht von Ende der 1970er-Jahre bis Anfang der 90er-Jahre noch etliche Platten mit der Partypop-Band Fez/Fezzz!.

Auf der Compilation „I Can Fly – The Complete Recordings 1969-71” finden sich nun die vier seltenen und überaus teuren Singles von Hide & Seek in bestmöglich remasterter Audio-Qualität. Zusätzlich konnte eine unveröffentliche Originalkomposition der Band von einem praktisch zerstörten Live-Band gerettet und restauriert werden. Abgerundet wird das Hörvergnügen von einem umfangreichen, reichlich bebilderten Beiheft, in dem Al Bird Sputnik von den Wiener Trash Rock Archives die spannende Geschichte der steirischen Rockstars erzählt.

Hide & Seek – „I Can Fly – The Complete Recordings 1969-71“
presented by Al Bird und Wolfgang Reitter
at 10. Ottakringer Vinyl & Music Festival, Hopfenboden, 7. März, 15 Uhr


Rather than being rediscovered, the four original Hide & Seek singles have long been sought after by collectors worldwide. Rare and expensive originals now return thanks to KONKORD Records, who present “I Can Fly – The Complete Recordings 1969–71”, a compilation of all four singles plus a previously unreleased track. Even better: the album will be officially presented at the 10th Ottakringer Vinyl & Music Festival.

Hide & Seek are one of the most fascinating stories in Austrian rock history. Formed in Graz, the psychedelic rock band rose rapidly to national fame in 1969, nearly reaching the top of the Ö3 charts. Just as an international breakthrough seemed possible, the band split after only a handful of releases. What remains is extraordinary music: no other Austrian band of the era captured the British sound between freakbeat, psychedelia and early hard rock so convincingly.

All recordings on I Can Fly have been carefully remastered from the best available sources and are complemented by an extensive booklet with rare photos and liner notes. The result is a long-overdue document of an exceptional band whose brief career left a lasting mark on Austrian rock history.